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  #1  
Alt 21.09.2010, 20:38
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3 Grundsatzfragen

Liebe Leute,

um endlich einige uns seit Jahren immer wieder beschäftigenden Fragen von wissenschaftlicher Seite geklärt zu bekommen, habe ich unser Forumsmitglied Kaidrun gebeten, dazu Stellung zu nehmen.

Zitat:
Hallo, Kaidrun,

im Forum tauchen von Zeit zu Zeit immer wieder dieselben Grundsatzfragen auf, zu denen ich mir eine Meinung gebildet habe. Meist stammt dieses Wissen aus der Candida-Literatur. Manchmal gewinne ich aber den Eindruck, daß hier ein Autor vom anderen unkritisch abgeschrieben hat. Deshalb möchte ich dich bitten, uns mal zu 3 Fragen den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand mitzuteilen.

1. Zusammenhang Candida - Schwermetallbelastung
Meine HP sagte, daß sie in ihrer 25jährigen Berufspraxis praktisch bei jedem Candida-Patienten eine Schwermetallbelastung festgestellt hat.
Jetzt gibt es zwei gegenteilige Meinungen:

a) Entweder die Schwermetalle haben die Darmflora und das Immunsystem so geschwächt, daß sich die Pilze ansiedeln und ausbreiten konnten. Dieser Ansicht bin auch ich.

b) Der Körper "duldet" quasi die Pilze, bekämpft sie also nicht mit voller Kraft, weil sie die Schwermetalle binden und dadurch schlimmere Auswirkungen auf den Organismus verhindern. Das klingt etwas abenteuerlich, wird aber im Internet und anderswo (Dr. Mutter, Dr. Rau) propagiert. Candida als Helfer des Körpers gegen Schwermetalle?
http://www.horusmedia.de/1997-pilze/pilze.php
http://www.lichtnetz.at/candida-pilz-erkrankung.html

Im Forum u. a.:
http://www.candida-info.de/forum/showthread.php?t=10419
http://www.candida-info.de/forum/showthread.php?t=13190


2. Immer wieder berichten Forumsmitglieder, daß ihnen von ihrem Therapeuten gesagt wurde, daß die strenge Antipilzdiät mit Zucker- und Weißmehlverzicht überholt sei. Wie stellen sich die neuesten Erkenntnisse zur Antipilzdiät aus deiner Sicht dar? Sollen alle Arten von Zucker, Weißmehlprodukte, süßes Obst, Alkohol zumindest am Anfang der Antipilztherapie weiterhin gemieden werden, oder gibt es tatsächlich neue Erkenntnisse, die sagen, dies sei nicht notwendig?

Ich finde momentan die Quelle nicht mehr. Dort wurde geschrieben, daß man in einer Reagenzglasstudie nachgewiesen habe, daß sich Candida bei Zuckerzugabe nicht stärker vermehren würde als ohne und schloß daraus, daß Zuckerverzicht in der Antipilztherapie sinnlos, ja sogar ungesund sei.


3. Bei diversen Autoren (Prof. Hans Rieth, Eva-Maria Kraske, Guzek/Lange, Britta Selen) stehen Sorbitol und Xylitol auf der Verboten-Liste. Im Internet hingegen wird neuerdings insbesondere Xylitol ("Birkenzucker") als antimykotische Substanz gepriesen. Kannst du bitte etwas dazu sagen?

Themen im Forum:
http://www.candida-info.de/forum/showthread.php?t=7753
http://www.candida-info.de/forum/showthread.php?t=10911
http://www.candida-info.de/forum/showthread.php?t=7604
http://www.candida-info.de/forum/wer...a-t9334p2.html

Weitere Infos:
http://de.wikipedia.org/wiki/Xylitol
http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S...14397027/read/
http://www.birkenzucker.ch/index.php?SID=UEBER

Laß dir bitte mit der Beantwortung Zeit. Wenn deine Antworten 2 Wochen oder länger dauern sollten, wäre das kein Problem. Nur möchte ich endlich diese uns schon lange bewegenden Fragen von Expertenseite geklärt wissen. Für belegende Links oder Literaturquellen wäre ich dir dankbar.

Liebe Grüße
Krasny

Hier sind seine Antworten:

Zitat:
Hallo Krasny,

bevor ich zu deinen drei Grundsatzfragen komme, eine Einführung in die Pilzproblematik generell.

Pilzeerkrankungen sind sogenannte "maskierte Krankheiten", soll heißen, der Pilz kann jede Erkrankung nachahmen. Allerdings ist der Pilz nicht an allem schuld. Daher muss man genau trennen zwischen Erkrankung und Pilzphobie bzw. Pilzhysterie. Eine Erkrankung muss immer dann ins Kalkül gezogen werden, wenn sie sich bei herkömmlichen Therapien als therapieresistent erweist.

Folgende Krankheitsbilder können von einem Pilzbefall herrühren:

Magen-Darmtrakt:

Völlegefühl, Blähungen, Verstopfung, Durchfall (auch im Wechsel mit Verstopfung); unklare Oberbauchschmerzen, Jucken oder Ausschlag am Darmausgang, Mundgeruch, Heißhunger auf Süßes oder Obst, Gefühl, "verhungert zu sein", Übergewicht trotz vieler Diäten

Uro-Genitaltrakt:

gehäufte rezidivierende Mykosen der Vagina und Vulva, Schmerzen vor und nach der Regel, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Jucken und/oder streng riechender Ausfluss aus der Scheide, trockene Scheidenschleimhäute, Balanitis (Entzündungserscheinungen am Penis), gehäufte Blasenentzündungen, Nierensteine, Nierengries (Candida ist ein Säurebildner und bestärkt die Neigung zu Silikatsteinen)

Respirationstrakt:

chronisch verstopfte Nase, Asthma, chronische Bronchitis, Auswurf gelb-grün, fadenziehend, Globusgefühl, grippale Infekte

Allergische Reaktionen:

Nesselsucht, allergische Ekzeme, Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Anhang A), Chemikalienunverträglichkeiten, Gesamt-IgE-Erhöhung, vermindertes sIgA (sekretorisches IgA)

Haut und Hautanhangsgebilde:

Neurodermitis, seborrhoisches Ekzem, Psoriasis, chronische Akne, atopisches Ekzem, unreine Haut, trockene Haut, Urtikaria, stumpfe oder fettige Haare, Haarausfall, brüchige, gerissene Nägel, Brennen der Fußsohlen, Nagel- und Fußpilze (48,6 % der Deutschen haben einen Fußpilz) (Anhang B)

Kopfbereich:

Flirren vor den Augen, Doppelsehen, Druckschmerz in den Augen, gehäufte Mittelohrentzündungen, Mundsoor, Ragaden und Aphten, Brennen im Mund, stechende Kopfschmerzen, Migräne, Nackensteifigkeit

Zentrales Nervensystem (ZNS):

Muskelzittern "Tics", Stimmungsschwankungen, Depressionen, Suizidgedanken, grundlose Angstzustände, Vernichtungsängste, Aggressionen, Halluzinationen (ein Teil der Candida spp. können Halluzinogene wie LSD herstellen), schizoide Verhaltensmuster, Störung der Fein- und Grobmotorik, Koordinationsstörungen, Paresen, eingeschränktes Tastgefühl

Sonstige Beschwerden:

ADHS bei Kindern, Hyperaktivität und Unruhe bei Erwachsenen, Muskelzittern, unklare Gelenkschmerzen

Prädisponierende Faktoren für Haut- und Schleimhaumykosen:

Code:
Erkrankungen              Therapien           andere Faktoren

Diabetes mellitus         Kortikosteroide     physiologische Lebensabschnitte:
                                              - Früh- und Neugeborenenalter
                                              - Schwangerschaft
                                              - Senium
Hypoparathyreodismus      Immunsuppressiva
Colitis ulzerosa          Zytostatika
Morbus Crohn              Bestrahlungen       nutritive Faktoren (Alkoholismus,
                                              hoher Zuckerkonsum)
Agranulozytose            Antibiotika
aplastische Anämie        Verweilkatheder     örtliche Faktoren (Harnwegs-
                                              veränderungen, Bronchiektasen)
zelluläre Immundefekte    große Chirurgie
AIDS
Beeinflussung des darmassoziierten Immunsystems durch Pilze

- Senkung des IgA-Spiegels durch enzymatische "Aufknackung" mittels Carbooxylproteinase
- Absenkung des Gamma-Linolenspiegels durch Mykotoxine

Sachgerechte Diagnostik und Therapie:

1. Eigehende Anamneseerhebung

2. Veranlassung der geeigneten Diagnostik
- mykologische Stuhl-, Urin-, Sputum- und Blutdiagnostik (kulturell)
- Erregerdifferenzierung
- Quantifizierung
- evtl. Überprüfung von Pathogenitätsfaktoren (ELISA, PCR)
- Candida-Serologie

3. Therapieentscheidung aufgrund labordiagnostischer und klinischer Befunde
- antimykotische Therapie
- mikrobiologische Therapie
- Ernährungsumstellung
- Eliminierung prädisponierender Faktoren

4. Kontrolluntersuchungen

Mykosen begünstigende Medikamente:

Antibiotika, Kortison, Kortisol, Chemotherapeutika, Zytostatika, Immunsuppressiva (abwehrunterdrückende Mittel), orale Kontrazeptiva (Pille), Hormonpräparate

Diagnostische Wertigkeit der Sprosspilzquantität in klinischen Untersuchungsmaterial:

Code:

Untersuchungsmaterialien       ätiologisch unbedeutend     Relevanz                    bedeutsam

Mundhöhlen-/Rachenabstrich     einzelne Kolonien           schwaches, starkes          Wachstum
                                                           oder mittleres Wachstum
Sputum                         < 1 x 1000 KBE ml           > 1000 - > 1.000.000        < 1.000.000 KBE/ml
Stuhl                          < 1 x 1000 KBE/ml           dito                        dito
Mittelstrahlurin               jeder positive Befund
Vaginalsekret                  dito
Blut                           dito
Liquor                         dito
Punktate                       dito

Sämtliche Körperflüssigkeiten Urin, Sekret, Blut, Liquor müssen absolut pilzfrei sein. Jeder andere Befund ist pathologisch.

Nun zu deinen Fragen:

Zu 1.:
Candida braucht keinen, der die Abwehr unterdrückt. Das können Hefen ganz alleine. Durch die Bildung von Candida-Antigenen und dem Mykotoxin Gliotoxin wird die Abwehr dergestalt geschwächt, dass Candida-Antigene die T-Helferzellen manipulieren. Dieses geschieht schon im Vorfeld unserer Abwehr, und zwar in den Vorstufen NF-kappa Beta und NF-AT. Das Antigen schaltet sich hinter die naive T-Zelle (Th0) und unterdrückt die Bildung von Th1, IFN-gamma. Dabei kommt es zum Rückgang der Phazytosestimulation. Gleichzeitig werden vermehrt Th2-Zellen gebildet zusammen mit IL-4. Durch Vermehrung der B-Zellen wird IgE freigesetzt, wodurch sich Mastzellen bilden mit gleichzeitiger Histaminauschüttung. Es folgen allergische Reaktionen und Beeinträchtigungen des enteralen Nervensystems. Th1-Zellen werden bereits in ihrem Reifungsprozess in die Apoptose (programmierter Zelltod) überführt. Die Waage unserer Immunabwehr ist inRichtung CD 8 ausgeschlagen. Damit ist der Ansiedlung von Schwermetallen und anderen Stoffen Tür und Tor geöffnet. (vgl. Prof. Heizmann, Uni Tübingen)


Zu 2.:
Candida braucht Zucker zum Wachsen. Die Nährmedien zur Anzüchtung von Candida enthalten alle Dextrose und Glucose bzw. Maltose. Daher ist diese Aussage falsch. Allerdings ist die Zuckeraufnahme der einzelnen Candida-Keime unterschiedlich. Daher ist die Keimidentifizierung so immens wichtig.

Code:
Keim                      Zuckerfermentation        Zuckerassimilation

                           D  G  S  M  L  R     D  G  S  M  L  R  T  m  C  X

Candida albicans           + (+) -  +  -  -     +  +  +  +  -  -  +  -  -  +
Candida glabrata           +  -  -  -  -  -     +  -  -  -  -  -  +  -  -  -
Candida tropicalis         +  +  +  +  -  -     +  +  +  +  -  -  +  -  +  +
Candida parapsilosis       +  -  -  -  -  -     +  +  +  +  -  -  +  -  -  +
Candida guillermondi       + (+) + (+) -  +     +  +  +  +  -  +  +  +  +  +
Candida krusei             +  -  -  -  -  -     +  -  -  -  -  -  -  -  -  -
Candida pseudotropicalis   +  +  +  -  +  +     +  +  +  -  +  +  -  -  +  +   
Candida famata            (+)(+) -  -  -  -     +  +  +  + (+) +  + (+) +  +
Trichosporon cutaneum      -  -  -  -  -  -     +  +  +  +  +  +  +  +  +  +

D = Dextrose, G = Galactose, S = Saccharose, M = Maltose, L = Lactose, R = Raffinose, 
T = Trehalose, m = Melibiose, C = Cellobiose, X = D-Xylose

(Endomykosen, Gemeinhardt)

Zu 3.:
Xylol und Sorbitol gehören chemisch zu D-Xylose. Damit ist Frage 3. wohl beantwortet.
Auf keinen Fall kann Xylol zur Pilzbekämpfung eingesetzt werden. Eine derartige Einlassung ist schlicht und ergreifend Blödsinn.

Danke für die guten Wünsche für Wien. Leider sind solche Tagungen wegen der Kürze der Zeit und den vielen Symposien reiner Stress, aber lehrreich.

Liebe Grüße
Kaidrun
Ergänzung zu Schwermetallbelastungen bei Candida-Betroffenen:

Zitat:
Hallo Krasny,

wir finden Schwermetalle von Amalgam auch massiv unter nicht von Candida Betroffenen. Schwermetalle sind per se schädlich und müssen ausgeleitet werden. Bei Candida-Betroffenen ist deren Wirkung, im Zusammenhang mit der Immunschwächung, wesentlich höher als ohne. Daher verlaufen Schwermetalleinlagerungen ohne Candida unauffälliger ab. Einige Betroffene haben keine merklichen Beschwerden und wundern sich, wenn bei einer Untersuchung Schwermetalle aus Zahnfüllungen nachgewiesen werden. Unbestritten ist der krankmachende Einfluss dieser Metalle. Ihre Parallele zu Candida besteht unter Anderem darin, dass auch diese Symptome unklar verlaufen. Auch sind die Entgiftungs- bzw. Eradikationsphasen sowohl bei SM und Candida auf lange Frist anzulegen.

LG Kaidrun

__________________________________________________ __________________________________________________


Hallo Krasny,

es ist eine Riesendummheit, wenn gemeint wird, dass der Pilz Schwermetalle bindet bzw. ausleitet. Candida hat als Sprosspilz keinerlei Bindungsmöglichkeiten. Auch hat ein humanpathogener Keim im Körper aber auch gar nichts zu suchen.

Zur Entgiftung:

Auch wenn jetzt ein Aufschrei durch die Community geht, Dauderer hat hier recht. Ich habe immer Natriumthiosulfat, ein Antidot zusammen mit Vitamininfusionen verwendet. Meine Vitamininfusionen waren auch immer basisch nach folgendem Rezept:

500 ml NaCl reduzieren auf 350 ml, 1 Ampulle Natriumhydrogencarbonat 8,4 % beigeben;
je 2 Ampullen Vitamin B1, B6, Folsäure forte und B12 forte (3000 µg), 1 x 7,5 g Vitamin C, je 2 Ampullen Traumeel S, Lymphomyosot, Mucosa comp. und Clibiogen inj. N.
Die Grundlage ist eine 2%ige Basenlösung. Damit ist die gesamte B-Gruppe möglich, obwohl diese verschiedene pH-Werte haben.

Reduziertes Glutathion, Alpha-Liponsäure und L-Cystein sind ebenfalls in Ordnung, aber nur in Verbindung mit Ozon, da diese sonst nicht die Blut-Hirn-Schranke durchbrechen können.
Über organisches Germanium fehlt mir die Erfahrung.

LG Kaidrun
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