Stuhluntersuchung: Aussehen, Fett und Stärke - Übersicht
Univ.-Doz. Dr. med. Wolfgang Hübl
KURZINFO:
Stuhl ist das Endprodukt der Verdauung. Er besteht aus den Dingen der Nahrung, die wir nicht verdaut und aufgenommen haben, aus Verdauungssäften und Darmschleimhautzellen und zu einem großen Teil (etwa 50 %) aus Bakterien.
REFERENZBEREICH:
Der normale Stuhl ist geformt, die normale Stuhlfarbe ist gelbbraun, je mehr Fleisch in der Nahrung ist, umso dunkler wird er.
Die Stuhlmenge ist im Durchschnitt 200 - 250 g/Tag, Vegetarier können weit höhere Mengen ausscheiden.
Fett ist normalerweise wenig im Stuhl (etwa 3,5 g/100 g Stuhl, anders ausgedrückt: ca. 7 g Fett im Tag), Stärke nur in geringen Mengen nachweisbar.
AUSSEHEN DES STUHLS:
Den Stuhl zu inspizieren ist keine beliebte Aufgabe, kann aber wertvolle Hinweise liefern.
Besondere Stuhlformen:
• Teerstuhl (= Melaena): schwarzer, oft klebriger Stuhl. Kommt bei größeren Blutungen in den oberen Abschnitten des Verdauungstraktes vor. Häufig durch Speiseröhrenblutungen, Magenblutungen, oder Zwölffingerdarmblutungen. Das Blut ist nicht rot, weil es noch in den unteren Darmabschnitten verdaut wird. Falls Sie ihr dunkler Stuhl beunruhigt, eine Entscheidungshilfe: Teerstuhl ist nicht "sehr dunkel", er ist schwarz.
• Blutstuhl: roter oder rötlicher Stuhl. Kommt vor bei Blutungen in den unteren Darmabschnitten (besonders Dickdarm, Enddarm; Ursachen v. a. Tumoren, schwere Entzündungen und Durchfälle). Aufgelagertes Blut kann von Hämorrhoiden stammen.
• Gärungsstuhl: große Menge, schaumig, schwimmt auf Wasser, riecht scharf. Kommt vor, wenn die Kohlenhydrate der Nahrung in den oberen Darmabschnitten nicht verdaut werden und dann in den unteren Abschnitten von den (normalen) Darmbakterien abgebaut werden. Ursachen: zu große Kohlenhydratzufuhr oder zu schneller Dünndarmdurchgang, weitere Ursachen siehe unter Stärke im Stuhl weiter unten.
Anmerkung: Kohlenhydrate der Nahrung sind vor allem Zucker und Stärke (in Getreideprodukten, Erdäpfeln, Mais, Reis).
• Fäulnisstuhl: faulig stinkender, eher dünner Stuhl. Kommt vor, wenn das Eiweiß der Nahrung nicht vollständig verdaut wurde. Bei vielen verschiedenen Störungen der Bauchspeicheldrüse und des Darmes auftretend.
• Fettstuhl (= Steatorrhoe): lehmartiger, klebriger, glänzender, scharf riechender Stuhl. Kommt vor, wenn das Fett der Nahrung nicht vollständig verdaut wurde. Auch die Bezeichnungen Butterstuhl, Salbenstuhl und Pankreasstuhl (Bauchspeicheldrüsenstuhl) sind in Verwendung. Ursachen siehe unter Fett im Stuhl weiter unten.
• Acholischer Stuhl: weißer bis grauweißer Stuhl, schlecht geformt. Auch als zerfahrener oder zerhackter Stuhl bezeichnet. Kommt vor, wenn der Gallengang verschlossen ist (Gallensteine, Tumor u. a.) und keine Galle mehr in den Darm kommt, wodurch der Stuhl seine typische Farbe verliert.
• Reiswasserstuhl: mehlsuppenähnlicher Stuhl bei Cholera
• Himbeergeleeartiger Stuhl: breiig, schleimig, blutig bei Amoebenruhr
• Eitrig-jauchiger Stuhl: bei Eiterungen einer Divertikulitis (entzündete Darmausstülpungen), Parasitenbefall, fortgeschrittenen Tumoren
• Kindspech = Mekonium (von griech.: mekon = Mohn): schwärzlich-grünlicher Stuhl des Neugeborenen. Kommt innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt vor.
Die Stuhlfarbe
• Gelbbraun: normal, je mehr Fleischnahrung, umso dunkler
• Schwarz: Blutungen in den oberen Darmabschnitten. Häufig durch Speiseröhrenblutungen, Magenblutungen oder Zwölffingerdarmblutungen. Daneben schwarzer Stuhl bei manchen Medikamenten: Eisenpräparate (Medikament bei Eisenmangel), Tierkohle (bei Durchfällen), Wismutpräparate (bei Helicobacter pylori Bekämpfung)
Dunkle Verfärbung nach Aufnahme von: schwarzen Kirschen, Brombeeren, Heidelbeeren, Rotwein.
Neugeborenenstuhl (Mekonium)
• Rötlich bis rot: Blutungen in den unteren Darmabschnitten (Dickdarm, Enddarm). Rote Rüben (= Rote Bete) in der Nahrung
• Gelblich: normal bei Säuglingen, Durchfällen, Antibiotikatherapie
• Grünlich bis grün: Unter normalen Umständen werden die grünlichen Stoffe der Gallenflüssigkeit auf ihrem Weg durch den Darmkanal in braune umgewandelt. Bei zu schneller Darmpassage (Durchfall) kann der Stuhl grünlich bleiben. Auch wenn die normalen Darmbakterien (die sog. Darmflora) geschädigt sind (z. B. bei Antibiotikatherapie), kann der Stuhl grün bleiben.
Ungekochtes Gemüse, viel Spinat oder Salate können eine Grünlichfärbung bewirken.
Längeres Stehen an der Luft kann einen an sich normal gefärbten Stuhl grünlich werden lassen.
• Grauweiß bis gelbgrau: Schleim oder Eiter aus dem Darm
• Weiß bis grauweiß: bei Gallengangsverschlüssen (= Acholischer Stuhl, siehe oben). Ins Graue gehende Färbung auch bei Fettstühlen.
FETT IM STUHL:
Warum bestimmt man Fett im Stuhl?
Die Bestimmung von Fett im Stuhl ist die wichtigste Methode um zu erkennen, dass mit der Verdauung oder Aufnahme der Nahrungsstoffe im Darm irgendetwas nicht stimmt. Das liegt daran, dass die Fettverdauung meist die erste ist, die bei einer Verdauungsstörung nicht mehr richtig funktioniert. Erst später wird auch die Kohlenhydrat- und Eiweißverdauung beeinträchtigt.
Normalbefund
Normalerweise wird Fett in der Nahrung durch die Wirkung der Gallenflüssigkeit und des Saftes der Bauchspeicheldrüsen aufbereitet und zerkleinert, damit es von der Darmwand aufgenommen werden kann. Im Stuhl bleibt nur wenig Fett übrig (ca. 7 g im Tag).
Was sind Fettstühle?
Scheidet man mehr als 7 g Fett pro Tag aus, spricht man von Fettstühlen oder von Steatorrhoe. Fettstühle sind lehmartige, glänzende, klebrige, säuerlich bis scharf riechende Stühle. Auch die Bezeichnungen Butterstuhl, Salbenstuhl und Pankreasstuhl (Bauchspeicheldrüsenstuhl) sind in Verwendung.
Wie erkennt man Fettstühle?
Durch der Begutachtung des Stuhls kann der Verdacht auf Fettstuhl ausgesprochen werden. Besteht gleichzeitig Durchfall, wird dies auch als Fettdurchfall bezeichnet. Um ihn nachzuweisen, gibt es Labormethoden:
Sudan-III-Färbung: Dabei bringt man verdünnten Stuhl mit dem Fettfarbstoff Sudan III zusammen und erhitzt das Ganze ein wenig. Fett färbt sich rot an. Im Mikroskop kann man das erkennen. Vorteil: sehr einfache Methode. Nachteil: Es muss schon recht viel Fett im Stuhl sein, damit man das mit dieser Methode erkennt (ca. 20 g Fett/Tag).
Fettfärbung des Stuhls
Beispiel einer Fettfärbung des Stuhls mit Sudan III nach leichtem Erhitzen. Betrachtung im Mikroskop.
Klassische chemische Stuhlfettbestimmung: Stuhl wird 3 Tage lang gesammelt. Der Patient soll jeden Tag mind. 80 g Fett zu sich nehmen. Der gesammelte Stuhl muss dann vermischt werden. Aus einer Probe davon wird das Stuhlfett bestimmt. Vorteil: relativ exakte Methode. Nachteil: Auf der stuhlsammelnden Abteilung und im Labor extrem unbeliebte Methode. Wird daher kaum durchgeführt.
Beta-Karotin-Bestimmung in der Blutflüssigkeit: Es wäre natürlich sehr elegant, die Fettmenge im Stuhl zu bestimmen, ohne Stuhl analysieren zu müssen. Eine Möglichkeit ist die Messung des Beta-Karotin-Spiegels im Blut. Beta-Karotin der Nahrung wird normalerweise aus dem Darm in das Blut aufgenommen. Wenn der Stuhl aber fettreich ist, wird weniger Beta-Karotin aufgenommen, der Spiegel im Blut sinkt. Normalwerte sind 0,47 bis 4,1 mg/l. Weniger als 0,47 mg/l spricht für Fett im Stuhl.
Welche Erkrankungen verursachen Fett im Stuhl?
1. Fett der Nahrung wird nicht aufbereitet (Maldigestion)
• Mangel an Gallensäuren
Gallenwegsverschluss (Gallenstein, Tumor, Engstellen an der Mündung in den Darm)
Leichte Fettvermehrung bei primär biliärer Zirrhose möglich (Autoimmunerkrankung, bei der Entzündungen in den kleinen Gallenwegen der Leber zu Gallerückstau führen)
• Mangel an Bauchspeicheldrüsenflüssigkeit
Verschluss des Bauchspeicheldrüsenganges (Stein, Tumor, Engstellen an der Mündung in den Darm)
Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, z. B. Entzündungen (Fettstühle erst wenn 90 % der Drüse ausgefallen sind) oder Mukoviszidose (nicht so seltene Erbkrankheit mit Lungen- und Verdauungsproblemen)
• Nach Magenentfernungen
2. Fett der Nahrung wird aus dem Darm nicht aufgenommen (Malabsorption)
• Aufnahmestörung im Darm
Schwere Durchfälle verschiedenster Ursache
Zoeliakie (Unverträglichkeit gegen ein Getreideprotein, meist - aber nicht nur - bei Kleinkindern ab der Getreideproduktzufütterung
Whipple-Syndrom (seltene Infektionskrankheit v. a. bei Männern mittleren Alters)
Auch bei Sklerodermie des Darmes möglich (Autoimmunerkrankung mit Faservermehrungen und Verhärtungen)
Verschiedene andere Krankheiten der Dünndarmschleimhaut
• Abflussstörung der Lymphgefäße des Darmes (über diese wird nämlich das Fett ins Blut geleitet)
Krebs der Lymphdrüsen des Darms
3. Nahrungsbrei kommt direkt aus dem Magen in den Dickdarm (selten)
Bei Geschwüren, Tumoren oder Entzündungen kann es zur Bildung eines Kanals (einer sog. Fistel) zwischen dem Magen und dem Dickdarm kommen.
4. Zu hoher Verzehr von Fett
Werden zu große Mengen in der Nahrung aufgenommen, können diese nicht verdaut werden. Therapie: geringere Fettzufuhr
STÄRKE IM STUHL:
Warum bestimmt man Stärke im Stuhl?
Die Bestimmung von Stärke im Stuhl ist eine Methode um zu erkennen, dass mit der Verdauung oder Aufnahme der Nahrungsstoffe im Darm irgendetwas nicht stimmt. Wobei das Auftreten von Stärke dafür spricht, dass die Funktion der Bauchspeicheldrüse gestört ist. Die Fettbestimmung ist aber dafür der sensiblere Test.
Normalbefund
Normalerweise ist nur sehr wenig Stärke im Stuhl.
Was sind Gärungsstühle?
Wenn die Stärke in den oberen Darmabschnitten nicht verdaut und aufgenommen wird, gelangt sie in den Dickdarm. Dort wird sie von den (normalen) Darmbakterien abgebaut. Das führt zu Blähungen und Durchfall.
Wie weist man Stärke im Stuhl nach?
Man färbt die Stärke mit Lugolscher Lösung und betrachtet den Stuhl im Mikroskop.
Stärkefärbung des Stuhls
Beispiel einer Stärkefärbung des Stuhls mit Lugolscher Lösung. Betrachtung im Mikroskop.
Stärkefärbung in einer Kartoffelzelle (Bildmitte) umgeben von freien Stärkekörnern (dunkelblau).
Welche Erkrankungen verursachen Stärke im Stuhl?
1. Stärke der Nahrung wird nicht aufbereitet (Maldigestion)
• Mangel an Bauchspeicheldrüsenflüssigkeit
Verschluss des Bauchspeicheldrüsenganges (Stein, Tumor, Engstellen an der Mündung in den Darm)
Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, z. B. Entzündungen (Stärke erst im Stuhl wenn fast die gesamte Drüse ausgefallen ist) oder Mukoviszidose (nicht so seltene Erbkrankheit mit Lungen- und Verdauungsproblemen)
2. Nahrungsbrei kommt direkt aus dem Magen in den Dickdarm (selten)
Bei Geschwüren, Tumoren oder Entzündungen kann es zur Bildung eines Kanals (einer sog. Fistel) zwischen dem Magen und dem Dickdarm kommen.
4. Zu hoher Verzehr von Stärke (selten)
Werden zu große Mengen in der Nahrung aufgenommen, können diese nicht verdaut werden. Therapie: geringere Stärkezufuhr.
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Letzte Änderung 2003-09-09
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