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Alt 25.12.2006, 18:52
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Optische Urinanalyse

Zitat:
Harnfarbe - Übersicht

Univ.-Doz. Dr. med. Wolfgang Hübl


IN VIER SÄTZEN:
Die Trinkmenge und die Ernährung entscheiden die Farbe des normalen Harns (große Trinkmenge - heller wasserähnlicher Harn, geringe Trinkmenge - dunkler, gelbbrauner Harn).
Auch normale Harne werden beim Stehen etwas dunkler.
Verfärbungen sind meist durch spezielle Nahrungsmittel (z. B. rote Rüben) oder Medikamente verursacht. Lässt sich eine Verfärbung nicht auf eine der genannten Ursachen zurückführen, müssen weitere Untersuchungen zur Abklärung durchgeführt werden.


ALLGEMEINE INFORMATION:

Der Harnstatus
Die Beurteilung der Farbe und der Trübung des Harns ist ein fester Bestandteil des sog. Harnstatus.
Der Harnstatus ist kein exakt definierter Begriff. Man versteht darunter die Erhebung einer Reihe von Routinebefunden des Harns.
Heute besteht ein Harnstatus meist aus folgenden Untersuchungen:
• Beurteilung von Aussehen (und eventuell Geruch)
• Teststreifenuntersuchung
• Untersuchung des Harns im Mikroskop
• Bei Verdacht auf Harnwegsinfekt kann auch eine spezielle Untersuchung auf Bakterien durchgeführt werden, eine sog. Bakterienkultur (im Labor-Jargon "ein Uricult").

Wann wird ein Harnstatus durchgeführt?
• Als Routineuntersuchung bei Reihenuntersuchungen (Gesundenuntersuchung)
• Bei der Aufnahme ins Spital
• Bei Verdacht auf Nierenerkrankungen oder Erkrankungen der ableitenden Harnwege (Harnleiter, Harnblase, Harnröhre)
• Bei Entzündungszeichen/Fieber unbekannter Ursache
• Auch bei vielen anderen Erkrankungen kann eine gezielte Untersuchung des Harns sinnvoll sein.


NORMALE HARNFARBE:

Woher kommt die Farbe des Harns?
Die Farbe des normalen Harns ist durch eine Reihe von Farbstoffen bedingt, die bis heute noch gar nicht vollständig erforscht sind. Man fasst sie manchmal unter dem Begriff "Urochrome" zusammen, ohne genau definieren zu können, aus welchen Stoffen diese Urochrome bestehen.
Einen Teil der Urochrome machen Zwischenprodukte des Auf- und Abbaus des roten Blutfarbstoffs, des Hämoglobins, aus (Porphyrine, Urobilin). Aber auch viele andere Stoffwechselprodukte sowie aufgenommene Nahrungsmittel (und gegebenenfalls Medikamente) beeinflussen die Harnfarbe.

Farbschwankungen auch beim Gesunden
Auch beim Gesunden kann die Harnfarbe beträchtlich variieren. Abgesehen von der Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel wird das vor allem durch die unterschiedliche Flüssigkeitsaufnahme oder einen
außergewöhnlichen Flüssigkeitsverlust verursacht:
• Nehmen wir viel Flüssigkeit zu uns, dann wird der Harn relativ dünn sein und seine Farbe wird fast wasserhell oder blassgelb sein.
• Nehmen wir wenig Flüssigkeit zu uns oder verlieren wir viel Flüssigkeit (Durchfälle, Schwitzen z. B. bei sportlicher
Betätigung), dann muss der Körper Wasser sparen und wird nur sehr wenig Harn ausscheiden. Der Harn ist dann sehr konzentriert.


GELB/GELB-BRAUN/GELB-ORANGE:
(häufig)


Flüssigkeitsmangel (häufig)
Flüssigkeitsmangel kann eine dunklere, dunkelgelbe bis gelbbräunliche Harnfarbe verursachen.

Bilirubin (Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes; häufig)
Kommt es bei Erkrankungen der Leber oder Abflussstörungen im Gallensystem zu einer Vermehrung des sog. konjugierten (= direkten) Bilirubins im Blut, kann Bilirubin vermehrt im Harn ausgeschieden
werden (Ursachen siehe Kapitel Bilirubin).
Die Farbe wird auch als "Bierfarbe" beschrieben.

Urobilin (entsteht aus dem farblosen Urobilinogen)
Urobilinogen wird beim Stehen des Harns zum Farbigen Urobilin umgewandelt. Dieses ist bräunlich, wodurch der Harn ganz leicht nachdunkelt.
Lebererkrankungen oder vermehrter Abbau roter Blutkörperchen (Hämolyse) können zu vermehrter Ausscheidung von Urobilinogen in den Harn führen. Bei Gelbsucht wegen Behinderung des Galleabflusses ist Urobilinogen aber nicht vermehrt.

Nahrungsmittel (häufig!)
Gelb: z. B. Karotten, Flavine z. B. Riboflavin (Vitamin B2).
Auch bei eigentlich rot-färbenden Nahrungsstoffen (Rote Rüben = Randen = Rote Bete, Rhabarber) wird in alkalischem Urin (pH > 7, kommt vor bei vorwiegend vegetarischer Kost) eine Gelbfärbung beobachtet.

Medikamente (häufig!)
Viele Medikamente können eine Verfärbung des Harns verursachen. Das mag im Beipacktext beschrieben sein, ein entsprechender Hinweis kann aber auch fehlen.
Vitaminpräparate (B-Vitamine) können zu einer Verfärbung (intensive Gelbfärbung) führen. Eine gelb-orange Verfärbung wird von Senna (Abführmittel) verursacht.

Zitat:
Gelbe, gelb-braune oder orangene Harnverfärbung durch Medikamente

Acetanilid (Antifebrin): nicht mehr verwendetes Fieber- und Schmerzmittel
Anisindion: orange im alkalischen Urin (wenig gebräuchlicher Gerinnungshemmer)
Anthrachinonderivate: im sauren Harn gelb-orange (größtenteils Abführmittel; Aloin, Aloe, Cascara, Emodin, Senna)
Chinin (Malariamittel)
Chloroquin (Rheuma u. Malariamedikament; z. B. Resochin®)
Chlorzoxazon: gelb-orange (muskelentspannendes Mittel; z. B. in Parafon®)
Dihydroergotamin (Blutdrucksteigerung, Migräne; z. B. Dihydergot®)
Etoxazen (Schmerzmittel für Harnwege)
Mepacrin (Epilepsiemedikament)
Methocarbamol: Verfärbung beim Stehen des Harns (muskelentspannendes Medikament)
Methyldopa: Verfärbung beim Stehen des Harns (Blutdrucksenker; z. B. Aldometil®)
Metronidazol (Antibiotikum; z. B. Anaerobex®)
Nitrofurantoin (Antibiotikum gegen Harnwegsinfekte; z. B. Furadantin®)
Phenazetin: gelb-orange (früher verwendetes Fieber- und Schmerzmittel)
Phenazopyridin: orange-rot (Schmerzmittel für Harnwege; z. B. Pyridium®)
Phenolphthalein: gelb im sauren Harn (Abführmittel)
Primaquin (Malariamittel)
Salazosulfapyridin = Sulfasalazin (entzündl. Darmerkrankungen, Rheuma)
Rifampicin: orange (Tuberkulosemedikament; z. B. Rimactan®)
Rifamycin = Rifampin (Tuberkulosemedikament)
Warfarin: orange / rot-orange (Gerinnungshemmer, z. B. Coumadin®)

Quellen:
J. Colombo, Klinisch-Chemische Urindiagnostik, 1994. Health Communication Network (HCN), Australien.
Vergiftungen (selten)
Cresol (Desinfektionsmittel), Nitrobenzol (Lösungsmittel).

Porphyrine, Porphobilin (sehr selten)
Kommt bei den sog. Porphyrien vor. Gelb-braune Verfärbungen sind
beschrieben. Da aber meist rötliche oder rot-bräunliche Verfärbungen
auftreten sind diese Erkrankungen dort näher besprochen.


ROT/ROT-BRAUN:
(häufig)


Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)
Anfangs rötlich, nach längerem Stehen rot-braun bis rot-schwarz. Harn trüb, nicht transparent.
Ursachen siehe unter Blut im Harn.

Hämoglobin (roter Blutfarbstoff)
Kommt es zur Zerstörung von roten Blutkörperchen im Körper, wird Hämoglobin frei. Dieses kann in den Harn übergehen. Ursachen siehe Abschnitt freies Hämoglobin.
Harn anfangs rötlich, nach längerem Stehen rot-braun bis rot-schwarz. Harn klar, transparent, also nicht trüb.

Myoglobin
Myoglobin kommt in den Muskelzellen vor. Bei Muskelschäden verschiedenster Ursache kann es zum Auftreten von Myoglobin im Harn kommen (Ursachen siehe Kapitel Myoglobin). Harnfarbe rötlich.

Urate im Harn (häufig)
Ist der Harn trüb mit einem leichten Rosa-Ton, können Urat-Salze die Ursache sein. Näheres über dieses harmlose Phänomen im Abschnitt Trübung des Harns.
Kann beim Kleinkind auch zu leicht rötlich verfärbten Windeln führen.

Porphyrine, Porphobilin (selten)
Kommt bei den sog. Porphyrien vor. Porphyrien sind erbliche oder erworbene Störungen der Herstellung des Häms (Bestandteil des roten Blutfarbstoffes [Hämoglobin] und wichtiger Stoffe der Zellatmung
[Cytochrome]).
Bei diesen Störungen der Häm-Herstellung kommt es zur Anhäufung von Zwischenprodukten. Diese gelangen in den Harn und verfärben diesen. Die Verfärbung kann sofort sichtbar sein oder erst nachdem der Harn kurze Zeit gestanden ist.
Andere mögliche Symptome bei Porphyrien: Lichtempfindlichkeit der
Haut, Leberschäden. Aber auch Erbrechen, plötzliche Bauchschmerzen, andere Schmerzen oder Verwirrtheit kommen vor.

Nahrungsmittel (häufig!)
Rötlich: z. B. Rote Rüben (= Rote Bete, = Randen), Rhabarber, Brombeeren.

Medikamente (häufig!)
Viele Medikamente können eine Verfärbung des Harns verursachen. Das mag im Beipacktext beschrieben sein, ein entsprechender Hinweis kann aber auch fehlen.

Zitat:
Rötliche/rotbraune Harnverfärbung durch Medikamente

Adriamycin = Doxorubicin (Zytostatikum - "Krebsmittel")
Arbutin aus Folium uvae ursi - Bärentraubenblätter (bei Harnwegsinfektionen)
Aminophenazon = Aminopyrin (Schmerz- u. Fiebermittel)
Anisindion: rosa im saurem Urin (wenig gebräuchlicher Gerinnungshemmer)
Anthrachinonderivate: im alkalischen Harn rot (größtenteils Abführmittel: Aloin, Aloe, Cascara, Danthron, Emodin, Senna)
Cardiografin (Röntgenkontrastmittel)
Chlorzoxazon (muskelentspannendes Mittel; z. B. in Parafon®)
Cinchophen (Gichtmedikament)
Daunorubicin (Zytostatikum - "Krebsmittel)
Deferoxamin (gegen Eisenüberladung; z. B. Desferral®)
Dihydroergotamin (Blutdrucksteigerung, Migräne; z. B. Dihydergot®)
Etoxazen (Schmerzmittel für Harnwege)
Ibuprofen (Entzündungs- u. Schmerzhemmer; z. B. Brufen®)
Levodopa: zuerst rötlich, beim Stehen des Harns dunkel-schwarz (Parkinsonmedikament; z. B. Madopar®)
Methocarbamol: Verfärbung beim Stehen des Harns (muskelentspannendes Medikament)
Metamizol (Schmerz- u. Fiebermittel; z. B. Novalgin®)
Methyldopa: Verfärbung beim Stehen des Harns (Blutdrucksenker; z. B. Aldometil®)
Metronidazol (Antibiotikum; z. B. Anaerobex®)
Nitrofurantoin (Antibiotikum gegen Harnwegsinfekte; z. B. Furadantin®)
Phenazopyridin: orange-rot (Schmerzmittel für Harnwege; z. B. Pyridium®)
Phenindion: orange im alkalischen Harn (früher als Gerinnungshemmer eingesetzt)
Phenolphthalein: rot im alkalischen Harn (Abführmittel)
Phenothiazine (Psychopharmaka; z. B. Melleril®)
Phensuximid (Epilepsiemedikament; z. B. Milontin®)
Phenytoin (Epilepsiemedikament; z. B. Epanutin®)
Propyphenazon (Schmerz und Fiebermittel; z. B. Tonopan®)
Rifamycin = Rifampin (Tuberkulosemedikament)
Salazosulfapyridin = Sulfasalazin (entzündl. Darmerkrankungen, Rheuma)
Sulfamethoxazol (Antibiotikum; z. B. Bactrim®)

Quellen:
J. Colombo, Klinisch-Chemische Urindiagnostik, 1994. Health Communication Network (HCN), Australien.
Vergiftungen (selten)
Cresol, Merbromin (Desinfektionsmittel), Nitrobenzol (Lösungsmittel).

Harnwegsinfekte (selten)
Manche Bakterien können zu einer Verfärbung des Harns führen. So kann das Bakterium Serratia marcescens eine Rotfärbung verursachen. Diese früher als harmlos eingestuften Bakterien können bei geschwächtem Immunsystem schwere Infektionen (u. a. Harnwegsinfekte) hervorrufen.


GRÜNLICH:
(selten)
(kann auch durch blaue Farbstoffe entstehen - als Mischfarbe mit gelb)


Medikamente
Viele Medikamente können eine Verfärbung des Harns verursachen. Das mag im Beipacktext beschrieben sein, ein entsprechender Hinweis kann aber auch fehlen.

Zitat:
Grünliche Harnverfärbung durch Medikamente

Arbutin aus Folium uvae ursi - Bärentraubenblätter (bei Harnwegsinfektionen)
Amitryptilin (Antidepressivum; z. B. Tryptizol®)
Azuresin (wurde früher bei Magen-Tests eingesetzt)
Dithiazanine Jodid (früher als Mittel bei Wurmerkrankungen eingesetzt)
Guajacol (früher bei Lungenkrankheiten eingesetzt)
Indomethacin (Entzündungshemmer - Rheumamedikament; z. B. Indocid®)
Kupfer
Methylenblau (in Kombinationspräparaten zur Linderung der Beschwerden von Harnwegsinfekten; z. B. Urised®)
Phenolhaltige Medikamentenzubereitungen für intravenöse Gabe:
Cimetidin (Magensäureblocker)
Promethazin (Allergiemedikament, Beruhigungsmittel)
Phenylbutazon (Schmerz- u. Entzündungshemmer; z. B. Ambene®)
Propofol (Narkose-Mittel; z. B. Dipravan®)
Thymol (Bronchitismittel; z. B. Bronchipret ®, Bronchithym®; in Mundspülungen)
Triamteren (harntreibendes Mittel; z. B. Tardurol®)

Quellen:
J. Colombo, Klinisch-Chemische Urindiagnostik, 1994. Health Communication Network (HCN), Australien.
Indicanurie -
Syndrom der "blauen Windeln" (Blue Diaper Syndrome)

Wenn wir Eiweiß zu uns nehmen und verdauen, wird die Aminosäure Tryptophan normalerweise im Dünndarm aufgenommen und gelangt kaum in untere Darmabschnitte. In den unteren Darmabschnitten entsteht durch die Einwirkung der Darm-Bakterien aus dem Tryptophan Indol. Das Indol wird wieder aufgenommen, in der Leber zu Indican umgewandelt und im Harn ausgeschieden. Beim Stehen des Harns oder in der Windel wird das farblose Indican zu Indigoblau. Im Harn kann dadurch als Mischfarbe eine grünliche Verfärbung entstehen.
Ursache des klassischen "Blue Diaper Syndrome" ist eine erbliche, angeborene Aufnahmestörung von Tryptophan im Darm. Dadurch kommt vermehrt Tryptophan in untere Darmabschnitte und die Indikanausscheidung im Harn ist stark erhöht.
Es gibt aber auch Fälle erworbener Aufnahmestörung des Tryptophans bei Erkrankungen des Darmes.

Nahrungsmittel
Indigotin - blauer Lebensmittelfarbstoff (Glasuren, Getränke, Süßwaren).
Aus den USA gibt es Beobachtungen von grünem Harn nach Genuss eines chlorophyllhaltigen Kaugummis (Clorets®, USA). Am Chlorophyll wird es aber kaum liegen, eher schon an einem zugesetztem Lebensmittelfarbstoff.

Harnwegsinfekte (selten)
Manche Bakterien können bei einem Harnwegsinfekt zu einer Verfärbung des Harns führen. Grünliche oder blaue Verfärbung kann z. B. bei Infektionen mit Pseudomonas-Bakterien auftreten.

Vergiftungen (selten)
Kreosot (früher als Medikament heute zur Holzbehandlung eingesetzt, enthält Guajacol), Resorcin (Desinfektionsmittel), Salol (Phenylsalizylsäure, früher als Medikament eingesetzt), Phenol.

Biliverdin, Galle
Bilirubin kann an der Luft in das grüne Biliverdin übergehen. Über Bilirubin im Harn siehe weiter oben bei den gelb/gelb-bräunlichen Verfärbungen.

Verdoglobin (= Choleglobin)
Zwischenprodukt beim Abbau des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin). Kommt es zur Zerstörung von roten Blutkörperchen im Körper (Hämolyse), wird Hämoglobin frei (Ursachen siehe Abschnitt freies Hämoglobin). Dabei kann auch vermehrt Verdoglobin entstehen. Verdoglobin entsteht auch beim Abbau ausgedehnter Blutergüsse oder bei Vergiftungen mit erhöhtem Methämoglobin. Verdoglobin kann in den Harn übergehen.


BLÄULICH:
(sehr selten)


Indicanurie -
Syndrom der "blauen Windeln" (Blue Diaper Syndrome)

Näheres siehe unter "grünlich" oben.

Das Syndrom der violetten Urinsäcke
(Purple Urine Bag Syndrome, PUBS)

Etwa alle 2 bis 3 Jahre erscheinen in der medizinischen Literatur Berichte über das PUBS. Es tritt meist bei älteren, im Krankenhaus aufgenommenen Frauen auf, bei denen der Harn in einen Plastikbeutel (Harnsack) abgeleitet wurde. Die beim PUBS auftretende violette Verfärbung im Harnsack bietet ein eindrucksvolles Bild. Uneinigkeit besteht aber über die Ursachen der Verfärbung. Viele führen die Verfärbung auf die Umwandlung von im Harn auftauchenden Indican in Indigoblau zurück. Dabei seien meist Bakterien beteiligt. Die violette Farbe entstünde durch Anlagerung der Farbpigmente an die Wand des Urinsacks. Andere sehen eine Mischung zweier entstehender Farbpigmente, Indigoblau und Indigorot, als Grundlage der violetten Verfärbung.
Auch ist es nicht sicher, ob überhaupt Indican im Harn sein muss, damit ein PUBS entstehen kann.
Möglicherweise sind die beschriebenen Fälle nicht einheitlich und haben unterschiedliche Ursachen. In jedem Fall scheint das PUBS keiner speziellen Behandlung zu bedürfen.

Nahrungsmittel
Indigotin - blauer Lebensmittelfarbstoff (Glasuren, Getränke, Süßwaren).
1999 wurde über einen blauen Harn eines Patienten mit einer entzündlichen Darmerkrankung (Colitis ulcerosa) berichtet, der über eine Sonde (Schlauch) ernährt wurde. Dabei mischt man oft dem Nahrungsbrei einen blauen Farbstoff bei, der normalerweise nicht aufgenommen wird. Dieser Patient nahm ihn auf Grund seiner Darmerkrankung dennoch auf und schied ihn im Harn aus (F. Ehrig, Nephrology-Dialysis-Transplantation, 1999).

Medikamente
Viele Medikamente können eine Verfärbung des Harns verursachen. Das mag im Beipacktext beschrieben sein, ein entsprechender Hinweis kann aber auch fehlen.

Zitat:
Bläuliche Harnverfärbung durch Medikamente

Arbutin aus Folium uvae ursi - Bärentraubenblätter (bei Harnwegsinfektionen)
Amitryptilin (Antidepressivum; z. B. Tryptizol®)
Azuresin (wurde früher bei Magen-Tests eingesetzt)
Dithiazanine Jodid (früher als Mittel bei Wurmerkrankungen eingesetzt)
Kupfer
Methylenblau (in Kombinationspräparaten zur Linderung der Beschwerden von Harnwegsinfekten; z. B. Urised®)
Thymol (Bronchitismittel; z. B. Bronchipret ®, Bronchithym®; in Mundspülungen)

Quellen:
J. Colombo, Klinisch-Chemische Urindiagnostik, 1994. Health Communication Network (HCN), Australien.
Harnwegsinfekte (selten)
Manche Bakterien können bei einem Harnwegsinfekt zu einer Verfärbung des Harns führen. Grünliche oder blaue Verfärbung kann z. B. bei Infektionen mit Pseudomonas-Bakterien auftreten.


SCHWARZ / DUNKEL:
(selten)


Die folgenden Ursachen wurden bereits bei anderen Harnfarben näher besprochen:

Blut (nach längerem Stehen des Harns dunkel)
Hämoglobin bei schweren Hämolysen
Besonders wenn Harn eine Zeit lang steht. Klassisch z. B. bei bei Malaria tropica ("Schwarzwasserfieber")
Porphobilin
Indicanurie (bei hohen Konzentrationen starkes Nachdunkeln)

Homogentisinsäure - Syndrom der schwarzen Windeln
Erbliche Störung des Stoffwechsels der Aminosäure Tyrosin führt zur Anhäufung von Homogentisinsäure. Diese erscheint im Harn. An der Luft entsteht daraus ein schwarzer Farbstoff. Auffällig ist daher ein stark nachdunkelnder Harn.
Diese Krankheit wird Alkaptonurie genannt und nicht selten erst im späteren Leben erkannt, wenn Gelenksprobleme einsetzen, die durch die langjährige Ablagerung von Homogentisinsäure ausgelöst werden. Das Nachdunkeln des Harns bleibt also oft jahrelang unbemerkt.

Melanogene
Beim malignen Melanom (meist schwarzfarbener, bösartiger Tumor der Haut) kann es selten zur Ausscheidung von dunklen Farbstoffen im Harn kommen.

Medikamente
Viele Medikamente können eine Verfärbung des Harns verursachen. Das mag im Beipacktext beschrieben sein, ein entsprechender Hinweis kann aber auch fehlen.

Zitat:
Schwarze/dunkle Harnverfärbung durch Medikamente

Cascara-Rinden-Präparate - Faulbaumrinde: beim Stehen dunkel (Abführmittel zur Darmreinigung vor Eingriffen; z. B. Cascara-Salax®).
Eisendextran: Harn beim Stehen dunkel (für Eisen-Infusionen)
Levodopa: zuerst rötlich, beim Stehen des Harns dunkel-schwarz (Parkinsonmedikament; z. B. Madopar®)
Methocarbamol: Verfärbung beim Stehen des Harns (muskelentspannendes Medikament)
Methyldopa: Verfärbung beim Stehen des Harns (Blutdrucksenker; z. B. Aldometil®)
Metronidazol (Antibiotikum; z. B. Anaerobex®)
Niridazol (Mittel gegen Wurmparasiten)
Paraaminosalizylsäure - PAS (Tuberkulosemittel)

Quellen:
J. Colombo, Klinisch-Chemische Urindiagnostik, 1994. Health Communication Network (HCN), Australien.
Erbliche Tyrosinämie (extrem selten)
Bei angeborenen Störungen der Verarbeitung der Aminosäure Tyrosin können Substanzen im Harn vermehrt sein, durch die der Harn beim Stehen dunkel wird.
Auftreten bereits Wochen bis Monate nach der Geburt.

Vergiftungen (selten)
Phenol (Desinfektionsmittel), Resorcin (Desinfektionsmittel), Thymol (Desinfektionsmittel; in Mundwässern, Zahnpasten, Lösungen zur Hautdesinfektion).

Mesobilifuscin
Mesobilifuscin ist ein Gallenfarbstoff und wurde bei einem Fall von hämolytischer Anämie (Blutarmut wegen Zerstörung der roten Blutkörperchen) als Ursache einer Schwarzfärbung des Harns identifiziert.


NACHDUNKELNDER HARN:

Definition
Unter Nachdunkeln versteht man ein DunklerWerden des Harns beim Stehenlassen.

Allgemeines
Prinzipiell dunkelt fast jeder Harn beim Stehenlassen etwas nach. Eine Ursache ist das Urobilinogen, das in das Urobilin übergeht.

Abnorme Substanzen, die ein starkes Nachdunkeln des Harns verursachen können
(Die Ursachen des Auftretens dieser Substanzen im Harn sind in den Abschnitten über Verfärbungen beschrieben)

Porphobilinogen
Wird zu Porphobilin und zu Uroporphyrin (braunrot bzw. rot).
Porphyrinogene
Werden zur Porphyrinen (rötlich).
Indican
Wird zu Indigoblau.
Melanogene
Werden zu dunklem Melanin.
Myoglobin im Harn
Wird zu bräunlichem Metmyoglobin.
Blut im Harn, Hämoglobin im Harn
Hämoglobin wird zu bräunlichem Methämoglobin und zu schwarbraunem Hämatin.
Homogentisinsäure
Schwärzlich-dunkle Farbstoffe entstehen.
Tyrosin und Tyrosinstoffwechselprodukte
Bei Tyrosinämie.

Medikamente können ein Nachdunkeln des Harns auslösen

• L-Dopa (Parkinsonmedikament)
• Methyldopa (Blutdruckmittel)
• und viele andere. Siehe unter den einzelnen Harnfarben.


HINWEISE AUF DIE URSACHE EINER VERFÄRBUNG:

Wenn zur endgültigen Abklärung auch Spezialanalysen notwendig sein können, kann man doch mit einfachen Mitteln Hinweise auf die Ursache einer Verfärbung des Harns bekommen.

Könnte ein Flüssigkeitsmangel vorliegen?
Zu langes Dursten oder zu große Flüssigkeitsverluste (Schwitzen, Durchfall, Erbrechen) können den Harn sehr stark konzentrieren und eine eigenartige, bräunliche Farbe annehmen lassen.

Welche Nahrungsmittel wurden eingenommen?
So ist z. B. der Verzehr roter Rüben eine häufige Ursache einer Rotfärbung.

Welche Medikamente wurden eingenommen?
Sehr viele Medikamente aber auch Vitaminpräparate können den Harn verfärben.

Könnte eine Vergiftung vorliegen?

Ist der Harn anfangs völlig normal und wird er erst später auffällig (Nachdunkeln)?
Dann kommen die unter "Nachdunkeln des Harns" genannten Ursachen in Frage. Ausgenommen jene, bei denen auch der frische Harn bereits auffällig ist (Blut, Hämoglobin oder Myoglobin). Man sollte aber berücksichtigen, dass auch der normale Harn ein wenig nachdunkelt.

Schüttelschaumprobe bei braunem Harn: Wenn man den Harn schüttelt, ist auch der Schaum braun?
Entsteht gelbbrauner Schaum könnte das für Bilirubin als Ursache sprechen, entsteht weißer Schaum spricht dies gegen Bilirubin als Ursache.

Harnteststreifen (Mehrfelder-Streifen)
Mit dem Harnteststreifen kann Blut, Hämoglobin, Myoglobin, Bilirubin und Urobilinogen im Harn erkannt werden. Aber auch einen Harnwegsinfekt als mögliche Ursache einer Verfärbung lässt der Teststreifen erkennen (Vermehrung weißer Blutkörperchen und eventuell positives Nitritfeld).

Gibt es keinen Hinweis auf Flüssigkeitsmangel, Nahrungsmittel, Medikamente, oder Vergiftungen als Ursache der Verfärbung des Harns und zeigt auch der Harnteststreifen keine mögliche Ursache an, könnte eine der seltenen Ursachen vorliegen (z. B. eine Porphyrie). Zur Abklärung dieser Ursachen sind Spezialuntersuchungen notwendig.


© med4you
Letzte Änderung: 2004-03-11
Quelle: http://www.med4you.at/laborbefunde/l..._harnfarbe.htm
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